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Thomas Horn ist frischgebackener Torball-Weltmeister

11.10.2007 08:07:39

von Marcus Meier

VEITSHÖCHHEIM/MARBURG (bfw) Die deutsche Torball-Nationalmannschaft holte bei den Weltmeisterschaften in Innsbruck/Österreich den WM-Titel. Einer der neuen Weltmeister ist der 28-jährige Thomas Horn. Der angehende Fachinformatiker absolviert seine Ausbildung am Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg, eine Spezialeinrichtung für die berufliche Wiedereingliederung sehbehinderter und blinder Erwachsener. Marcus Meier traf den frischgebackenen Weltmeister während seines Betriebspraktikums im hessischen Marburg.

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Herr Horn, wie fühlt man sich als einer der weltbesten Torballer?

Es ist einfach ein wunderschönes Gefühl. Für mich kam das Ganze sehr überraschend, da ich erst im April zur Nationalmannschaft hinzugestoßen bin und daher ist das Gefühl einfach riesig.

Torball oder Goalball kennt ja nicht jeder. Wie läuft die Sportart denn ab?

Beim Torball stehen beziehungsweise knien sich jeweils drei Spieler auf der Größe eines Volleyballfeldes gegenüber. Sie kommen nicht in direkten Kontakt mit dem Gegner, da zwischen den beiden Seiten drei Leinen quer über das Spielfeld gespannt werden. Unter diesen Leinen muss der Ball hindurch geworfen werden. Die drei Spieler, die den Ball erwarten, müssen sich zum Abwehren des Balles auf die Seite werfen, da sonst die Torbreite von 7 Metern nicht abzudecken ist. Da man sich aber nicht hinlegen darf, bevor der Gegner geworfen hat, erfordert das Spiel eine gute Reaktion. Während beim Torball das Spielfeld 16 Meter lang und 7 Meter breit ist, ist beim verwandten Paraolympischen Goalball das Spielfeld sowohl vertikal als auch horizontal zwei Meter länger. Der Ball ist schwerer und es gibt keine Leinen, dafür muss der Ball mindestens zweimal vor bestimmten Linien den Boden berühren. In beiden Fällen befindet sich eine Glocke im Ball, damit man den Ball hören kann. Außerdem haben alle Spieler Dunkelbrillen auf, damit auch kleine Sehreste keinen Vorteil bieten.

Hatte sich das deutsche Team in Innsbruck denn Titelchancen ausgerechnet?

Wir wussten, dass es nicht unmöglich ist und dass wir eine sehr gute und homogene Truppe haben. Aber natürlich waren wir von dem Titel schon etwas überrascht, da man Erfolg auf internationalem Niveau nicht voraussehen kann. Da gehören ganz viele Kleinigkeiten und natürlich auch ein bisschen Glück dazu...

Wie oft trainieren Sie für den Torballsport? Und wie konnte die deutsche Mannschaft sich aufeinander einspielen?

Ich persönlich trainiere einmal die Woche. Üblich ist auch bei meinen Mannschaftskameraden der Nationalmannschaft, dass sie zumindest für die Fitness noch viel nebenbei trainieren. Die meiste Qualität gewinnt man ab einem bestimmten Level allerdings darüber, dass man einfach Turniere spielt. In der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft hatten wir von Juni bis August drei Wochenend-Trainingslager in Karlsruhe, wo sowohl Trainer als auch Co-Trainer der Nationalmannschaft zuhause sind.

Worauf führen Sie den Erfolg Ihres Teams zurück?

Der Erfolg dieser deutschen Mannschaft lag ganz einfach an der guten ausgeglichenen Athmosphäre im Team und dem sehr dichten Spielerpotential. Wenn jemand einmal eine Schwäche zeigte, war sofort ein gleichwertiger Spieler da, der wieder die Leistung abrufen konnte, die gefragt war. Die Stärke der Mannschaft ist, dass sie keine große Schwächen besitzt. Es gab bei der WM Mannschaften, die zwar herausragende Akteure hatten, aber eben nicht die Konstanz wie wir.

Welchen Anteil haben Trainer und Betreuer am Erfolg?

Die beiden Trainer Hans-Dieter Weidner und Josef Albanese haben einen sehr großen Anteil am Erfolg. Wie man Torball spielt, brauchten sie den Spielern nicht mehr beizubringen. Sie haben es aber sehr gut verstanden, den Spielern bei ihren Stärken noch ein wenig Potential zu entlocken und haben vor allem für die nötige Ruhe im Umfeld gesorgt. Wir kamen uns jeder Zeit sicher und gut aufgehoben vor.

Sie sind von Geburt an blind. Hat man dadurch beim Torball Vorteile gegenüber später erblindeten Spielern?

Man hat als Geburtsblinder im Torball nicht unbedingt Vorteile. Wenn man einmal gesehen hat, hat man schon bestimmte Bewegungsabläufe gesehen, selbst wenn man nicht gerade Torball gespielt hat. Sobald man sich nach gewisser Zeit daran gewöhnt, mit den Ohren aufmerksam zu sein, hat man als Späterblindeter eher Vorteile.

Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade Torball-Weltmeister werden?

Beruflich mache ich am BFW Würzburg, einem Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte, gerade die Ausbildung zum Fachinformatiker Fachrichtung Anwendungsentwicklung und hoffe, danach als Programmentwickler arbeiten zu können. In meiner Freizeit steht für mich Sport sehr im Mittelpunkt. Eishockey, Fussball, Formel 1 und der Rest, soweit ich ihn mitbekomme. Auch Frauenfussball, wenn die Medien mal darüber berichten. Seit Neuestem spiele ich am BFW Würzburg Blindenfussball. Außerdem höre ich leidenschaftlich viele verschiedene Musik und habe ein Faible für Zahlen.

Welche sportlichen Ziele haben Sie für die Zukunft?

Für mich ist das größte sportliche Ziel Spaß am Spiel zu haben. Wenn ich darüber hinaus auch noch Erfolge wie einen unvergesslichen Weltmeistertitel feiern darf oder ich das Gefühl habe, anderen etwas von der Freude am Sport weitergeben zu können, dann macht mich das richtig glücklich.

Alle Rechte vorbehalten © Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg

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