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Technik hilft Blinden sich zu orientieren

11.07.2007 08:05:33

STUTTGART (ots) Sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden, stellt für blinde und sehbehinderte Menschen eine besondere Herausforderung dar. Moderne Navigationsgeräte können ihnen bei der Orientierung helfen. Wissenschaftler des Instituts für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) der Universität Stuttgart entwickeln zur Zeit mobile Navigationsgeräte mit hoher Positionsgenauigkeit. In diesen Geräten ergänzen sich lokale Sensorinformationen und Daten aus Umgebungsmodellen.

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Ziel der Forscher um Prof. Thomas Ertl, dem Leiter des VIS-Instituts, ist eine Navigationshilfe, die bei Eingabe eines gewünschten Ziels eine blindengerechte Routenplanung durchführt und die Anwender unter ständigem Abgleich von Sensor- und Modellinformation an Hindernissen vorbeiführt und auf dem Weg begleitet.

Im Gegensatz zu vielen anderen Geräten braucht für TANIA (Tactile-Acoustical Navigation and Information Assistant), den Prototyp, den Dr. Andreas Hub am VIS-Institut entwickelt hat, die Umgebung nicht mit einer besonderen Infrastruktur wie Sensoren ausgestattet oder mit GPS erfassbar zu sein. Man berührt einen Touchscreen und erfährt akustisch gleich, wo man ist und was sich in der näheren Umgebung befindet. Dabei wird die aktuelle Position über ein Schritterkennungsverfahren und durch Synchronisierungen mit dem Umgebungsmodell ermittelt. Der Nutzer kann das Umgebungsmodell durch eigene Hinweise ergänzen und aktualisieren.

Für eine Konferenz in Los Angeles im März dieses Jahres, bei der Technologien für Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt standen, fütterten die Forscher TANIA mit den Daten der Konferenzumgebung und mit Informationen zu Ausstellern und Hotelinfrastruktur. Blinde und Sehbehinderte, die den Prototyp testeten, bewerteten ihn sehr positiv.

Ein erweitertes Assistenzsystem, das die Stuttgarter Wissenschaftler entwickeln, besteht aus einer Stereokamera und einem Inertialsensor, die in einen Fahrradhelm integriert und über ein Kabel mit einem Laptop verbunden sind. Durch den Vergleich von Kamerabildern und Sensordaten mit dem Umgebungsmodell kann die eigene Position bestimmt werden. Über die (Blick-)Richtung des Inertialsensors, in den ein 3D-Kompass integriert ist, kann der Name eines Objekts in der entsprechenden Richtung aus dem Umgebungsmodell ermittelt und über Lautsprecher mitgeteilt werden. Inzwischen ist es sogar möglich, entsprechende virtuelle Objekte in das Umgebungsmodell einzufügen und blinde Benutzer auch über die Präsenz von Personen und deren exakte Position zu informieren.

Die genannten Forschungen am VIS-Institut finden im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereichs (SFB) NeXus statt. Dessen Ziel ist es, eine globale Infrastruktur für ortsabhängige Applikationen zu schaffen. Die Assistenzsysteme für sensorisch Behinderte sollen in Zukunft auch den Zugriff auf weitere im SFB entstehende Dienste wie virtuelle Litfaßsäulen, Kommunikation mit anderen Anwendern und Ähnliches ermöglichen.

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Informationsquelle: Informationsdienst Wissenschaft

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