Domainfactory: Eigene Domain, Webspace, Webhosting, Domainparking, E-Mailadresse mit eigener Top Level Domain.
Sie sind hier: Startseite / Politik / G8-Gipfel: Wasserwerfer löscht ...

G8-Gipfel: Wasserwerfer löscht Augenlicht aus

10.07.2007 08:12:49

von Andreas Goerdes

HEILIGENDAMM/POTSDAM (BlindNews) Als am 7. Juni 2007 ein Polizist mit seinem Schlagstock auf den Kopf von Steffen B. zeigte, war das Letzte, das er sah, das Gesicht des Beamten in einem Wasserwerfer. Dann traf ihn der Wasserstrahl in mecklenburgischen Heiligendamm beim G8-Gipfel; unerwartet, hart und auf das linke Auge - dann wurde es dunkel.

Freizeittip: Ein außergewöhnliches Abendessen im Dunkeln bietet das Dinner in the dark im Dunkelrestaurant in Wien

Wie "Die Tageszeitung" (TAZ) berichtet, hatte der 36-jährige Steffen B. kein "politisches Programm" als er nach Heiligendamm kam. Steffen B. hoffte, ein Zeichen gegen die - so wie er sagt - zutiefste Ungerechtigkeit in der Gesellschaft, für die die Vertreter der G8 stehen, setzen zu können.

Als Steffen B auf der Wiese in Bollhagen am Sperrzaun ankommt, sind die Wasserwerfer bereits im Einsatz. Der Potsdamer hält sich zunächst vom Ort des geschehens fern. Erst als die Wasserwerfer den Beschuss der Demonstranten einstellen, geht Steffen B. weiter nach vorne, um zu sehen, was da so los ist. Plötzlich soll ein Beamter wie ein "Dirigent" auf die Köpfe von Demonstranten gezeigt haben - unter anderem auch auf dem von Steffen B. Nach Angaben von Steffen B. drehte sich der Turm des mittleren von drei Wasserwerfern in seine Richtung. Den Strahl, der ihn getroffen haben soll, habe der Potsdamer nicht mehr kommen sehen. Kurz zuvor hörte er einen Ruf, der so ähnlich Klang wie "Achtung, wir löschen".

Das Gesicht des Polizisten, das Steffen B. durch das Fenster des Wasserwerfers sehen konnte, hat sich in seinem Gehirn eingebrand. Nach Angaben von Steffen B. soll es sich dabei um einen sehr jungen Polizisten gehandelt haben. Das "Bubigesicht" des Beamten habe ihn direkt angesehen, bevor ihn der Wasserstrahl traf, der ihm das Jochbein brach und sein linkes Augenlid teilweise abriss.

Die Dienstvorschrift 122 für den Einsatz von Wasserwerfern besagt, das Demonstranten rechtzeitig gewarnt werden müssen, bevor mit Wasserstrahlen geschossen wird. Auch, so bestätigte Ulf Erler, der Sprecher der Kavala, dass der Wasserstrahl niemals auf den Kopf eines Menschen gerichtet werden darf, sondern nur auf die Beine. Erler betont jedoch, dass ein Demonstrant, der stürzt, versehentlich auch mal am Kopf getroffen werden kann.

Am 7. Juni 2007 soll laut TAZ jedoch auf zahlreiche Demonstranten mit dem Wasserstrahl in Kopfhöhe gezielt worden sein. Dies sei auch durch viele Video-Clips im Internet belegt. Die Einsatzleitung "Kavala" soll den Polizisten suggeriert haben, dass die Demonstranten ein zu allem bereiter Lynchmob seien.

Steffen B., der inzwischen Anklage erhoben hat, wird seinen Beruf nach Angaben der Ärzte wahrscheinlich nie mehr ausüben können. Der 36-jährige sieht auf dem linken Auge nur noch Umrisse. Durch den Verlust des Sehvermögens hat er das Dreidimensionale Sehen verloren.

Auf die Frage, ob die Polizei in Heiligendamm nicht zu hart vorgegangen sei, sagte August Hanning, Staatssekretär im Bundesinnenministerium dem Spiegel gegenüber: "immerhin sei in Heiligendamm niemand erschossen worden. Man könne mit dem Ergebnis zufrieden sein."

Alle Rechte vorbehalten © BlindNews

Wikipedia

Die letzten 10 Meldungen aus dem Ressort Politik

nach oben Zurück
Sie sind hier: Startseite / Politik / G8-Gipfel: Wasserwerfer löscht ...
Valid XHTMLValid CSSredaktion@blindnews.eucreated by Goerdes