Domainfactory: Eigene Domain, Webspace, Webhosting, Domainparking, E-Mailadresse mit eigener Top Level Domain.
Sie sind hier: Startseite / Politik / Schildbürgerstreich: Der Steg ...

Schildbürgerstreich: Der Steg ohne Barrieren

06.08.2007 07:58:17

von Andreas Goerdes

HEMSTEDT-ULZBURG (BlindNews) Der 46 Meter lange Steg, der im Bürgerpark über zwei Teiche führt, wurde völlig ohne Barrieren errichtet – ein falscher Tritt und es geht einen halben Meter abwärts. Das ist kein Bauwerk der Schildbürger, sondern die Steganlage der niedersächsischen Gemeinde Henstedt-Ulzburg.

Freizeittip: Ein außergewöhnliches Abendessen im Dunkeln bietet das Dinner in the dark im Dunkelrestaurant in Wien

Bei der Planung und Genehmigung der Steganlage wurde anscheinend vergessen, dass es auch behinderte Menschen gibt. Der Steg verfügt über keine seitlichen "Barrieren" wie beispielsweise Handläufe, die blinde und sehbehinderte Spaziergänger vor einem Sturz von der 50 Zentimeter hohen Anlage schützen.

Im März 2007 hat der Blinden- und Sehbehindertenverband Schleswig-Holstein (BSVSH) in einer Petition an das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren auf die Missstände im Bürgerpark aufmerksam gemacht. Frank Dietrich, der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, wies die Gemeinde darauf hin, das eine Unfallgefahr nur dann vermiden werden kann, wenn Handläufe und seitliche Begrenzungen vorhanden sind, berichtet das Hamburger Abendblatt.

In einer schriftlichen Stellungnahme hat der Bürgermeister Volker Dornquast laut Abendblatt die Bürger von Henstedt-Ulzburg für die Gestaltung der Steganlage verantwortlich gemacht. Diese hätten bei der Planung keine bedenken eingebracht. Da es genügend Wege im Bürgerpark gibt, so Dornquast weiter, sei es nicht notwendig, das blinde und sehbehinderte die Steganlage betreten. Eine Umsetzung von seitlichen Begrenzungen oder Handläufen sei nicht geplant, da eine solche bauliche Veränderung das Gesamtbild negativ beeinflussen würde.

Vor der Steganlage wurden Rillenplatten verlegt, die blinden und sehbehinderten Menschen anzeigen sollen, das sie gefahrlos geradeaus weiter gehen können. Die Rillenplatten, so die Ansicht des Bürgermeisters, würden ausreichen, um die Verkehrssicherheit von sehbehinderten Personen zu gewährleisten.

Aktiv wurde in der vergangenen Woche die Genehmigungsbehörde, die den Bau der Steganlage bewilligte. Eckkard Wiemer, stellvertretender Amtsleiter der Unteren Naturschutzbehörde, sieht Klärungsbedarf und hat die Anlage begutachten lassen. Eine Stellungnahme der Gemeinde ist noch ausständig.

KOMMENTAR von Andreas Goerdes

Taktile Bodenbelege machen in der Regel nicht darauf aufmerksam, dass ein blinder Mensch nicht weitergehen oder abbiegen soll. Normalerweise wird ein weitergehen dadurch verhindert, das Absperrgitter oder Schranken verwendet werden – aber niemals durch taktile Bodenbelege. Diese dienen dazu, eine sehbehinderte Person darauf aufmerksam zu machen, dass sich in unmittelbarer Nähe etwas "brauchbares" befindet – wie etwa eine Wegabzweigung, eine Sitzgelegenheit oder ähnliches. In U-Bahnanlagen beispielsweise werden Leitlinien durch Querrillen unterbrochen, um auf Notrufsäulen hinzuweisen.

Alle Rechte vorbehalten © BlindNews

Links

Wikipedia

Die letzten 10 Meldungen aus dem Ressort Politik

nach oben Zurück
Sie sind hier: Startseite / Politik / Schildbürgerstreich: Der Steg ...
Valid XHTMLValid CSSredaktion@blindnews.eucreated by Goerdes