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Mit "Ireen" fing alles an

25.05.2007 10:18:51

von Volker Stronmenger

ALPEN (WAZ) Siegfried Küch bildet seit 20 Jahren an der Winnenthaler Straße Blindenführhunde aus. Mehr als 500 sind es bis heute. Mobilitätshilfe und Lebensqualität für Blinde.

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Eigentlich hätte er Pastor werden sollen. Das wurde dann sein Bruder. Und Siegfried Küch hat davon profitiert. Beim Umgang mit seiner Klientel: blinden Menschen aus ganz Deutschland. Küch hat auf einem Hof an der Winnenthaler Straße eine Schule für Blindenführhunde, eine der größten in ganz Deutschland und ist mithin bei Blinden, Sozialträgern und Krankenkassen gut bekannt.

Vor 20 Jahren kam Küch, der auf der anderen Rheinseite in Spellen das Licht der Welt erblickte, an den linken Niederrhein. "Ich hatte immer schon einen Bezug zum Niederrhein", sagt der gelernte Kaufmann, der über viele Jahre als Selbstständiger mit 40 Angestellten in der Werkzeugbranche tätig war. Dann kam der Punkt, an dem er "beruflich nicht mehr so ausgefüllt war" und deshalb eine neue Aufgabe suchte.

Zwar hatte der heute 62-Jährige seit seinem 16. Lebensjahr mit Hunden gearbeitet und später mit Schutz- und Fährtenhunden sogar an Deutschen Meisterschaften teilgenommen. Aus dem Hobby einen Beruf zu machen, diese Idee sei ihm jedoch nicht sofort gekommen. Erst als er einen blinden Menschen mit seinem Führhund sah, sei die Erkenntnis gewachsen: "Es gibt andere Möglichkeiten, etwas aus den Hunden herauszuholen."

Klein habe er an der Winnenthaler Straße angefangen, allein den ersten (gekauften) Hund ausgebildet. Alle hätten ihm abgeraten. "Doch je mehr es sagten, desto stärker wurde mein Wunsch, es zu schaffen." Er habe dabei eine Phase des tiefen Zweifels erlebt: ",Ireen´ wollte partout nicht im Geschirr gehen, blieb stur stehen wie eine sibirische Bergziege", erinnert sich Küch schmunzelnd. Seine Frau habe ihn schließlich bestärkt, wenigstens den einen Hund auzubildenden. Was schließlich gelang. "Ireen" ging nach Leverkusen, und alsbald habe es unter den gut vernetzten Blinden geheißen, dass in der Bayer-Stadt ein gut ausgebildeter Blindenführhund seinen Dienst tut. So kam Siegfried Küch ins Geschäft. Heute sind in der Regel um die 20 Schäferhunde und Labrador-Retriever auf dem Hof, werden von sechs Trainerinnen zu Blindenführhunden ausgebildet. Sozialisiert und umweltfest gemacht wurden sie in Patenfamilien, die von den zehn Züchtern bis zu 40 acht Wochen alte Welpen für mindestens zehn Monate übernehmen. Danach die Entscheidung: Etwa 60 Prozent der Hunde sind gesundheitlich und vom Wesen her geeignet. Sieben bis zwölf Monate dauert die Ausbildung , in der der Blinde erste Kontakte zu seinem Hund knüpft.

Neigt sich die Ausbildung dem Ende zu, muss der Hund mit seiner nicht sehenden Trainerin "Blindgänge" absolvieren. Dann kann er 30 Hörzeichen, darunter "Lift", "Ampel" oder "Bus", weicht Hindernissen aus, warnt vor tückischen Tiefen (wie Bahnsteigkanten) oder leisen Autos: intelligente Gehorsamsverweigerung.

Einweisung am Wohnort Die eigentliche Einweisung am Wohnort des blinden Menschen dauere noch einmal drei bis vier Wochen.

Der Hund, sagt Siegfried Küch, ist für den Blinden nicht nur Mobilitätshilfe und damit Lebensqualität. Er ist auch Balsam für die Seele. Insbesondere spät erblindete Menschen würden oft mit ihrem Schicksal hadern, wie jener Arzt, der bei seinem ersten Besuch an der Winnenthaler Straße kein Wort herausbekam. Später habe er aus New York angerufen, vom Broadway, und heiter und gelöst erzählt, dass sein Hund "Froni" immer mit dabei sei.

Die Freiheit hat ihren Preis: 19 000 Euro kostet ein Blindenhund - einschließlich Einweisung und Führgeschirr. Doch die Ausgabe lohnt. Siegfried Küch wird weiter Hunde ausbilden und damit vielen Blinden helfen. Das Rentnerdasein interessiert ihn nicht.

MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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