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Sehbehinderte Praktikantin bei Philip Morris

29.05.2007 11:42:00

MÜNCHEN (Pressemitteilung) Das Wort Behinderung mag Heidrun Fuchs gar nicht. Auch das Bild der Blinden und Seheingeschränkten in der Öffentlichkeit missfällt ihr gehörig. "Mit unserem Handicap werden wir schnell als unselbstständig, hilfsbedürftig und bemitleidenswert eingestuft", erzählt sie von ihren Erfahrungen. "Und beruflich traut man uns gar nichts zu." Die 41-Jährige hat vor, das zu ändern. Sie möchte mit dem Klischee des "armen Sehbehinderten" aufräumen. Ein Praktikum bei der Philip Morris GmbH in München gibt ihr dazu Gelegenheit.

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Der Tag X kam vor rund zwei Jahren. Über Nacht und ohne Vorwarnung. "Plötzlich konnte ich keine Rechnungen und Lieferscheine mehr lesen", erinnert sich die Verkaufs-Substitutin. Heidrun Fuchs hofft zunächst, dass sich die Sehprobleme bald wieder geben. Ihr damaliger Arbeitgeber, ein Laden für Wohnaccessoires in München-Schwabing, ist kooperativ und gibt ihr in der Folge Arbeiten, die sie bewältigen kann. Die berufliche Seite ist zunächst weniger problematisch, die medizinische schon.

Die Münchnerin konsultiert verschiedene Augenärzte. Man vertröstet sie, verharmlost die Erkrankung, meint, die Seheinschränkung werde sich wieder geben. Erst der vierte Arzt stellt die richtige, niederschmetternde Diagnose: Makuladegeneration mit myopischem Defekt. Keine Aussicht auf Besserung. Im Klartext: Heidrun Fuchs wird mit den heute verbleibenden drei bis fünf Prozent ihrer ursprünglichen Sehkraft klarkommen müssen. "Mein persönlicher Supergau", bekennt die gelernte Köchin. "Der ursprüngliche Lebensplan war geplatzt. Ich wusste nicht, wie es weitergehen soll."

Heidrun Fuchs besinnt sich auf ihre kommunikativen Fähigkeiten und versucht, über Selbsthilfegruppen gleichaltrige Betroffene mit ähnlicher Erkrankung kennen zu lernen. Fehlanzeige. Licht am Ende des Tunnels tut sich erst nach einem halben Jahr auf, als sie Kontakt mit dem Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg aufnimmt. In der Geschäftsstelle München (GSM) des BFW, einem Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte, lernt sie die BFW-Mitarbeiterinnen Manuela Glaser und Uschi Johé kennen.

"Ein Glücksfall", urteilt die 41-Jährige heute. "Plan B für mein Leben mit Handicap nahm langsam Gestalt an". Die beiden engagierten Frauen setzen alle Hebel in Bewegung, um Fuchs eine zwölfmonatige Integrationsmaßnahme für Blinde und Sehbehinderte in der GSM zu ermöglichen.

Bis Februar letzten Jahres organisiert Heidrun Fuchs dann das, was sie selbst "das Schaffen optimaler Rahmenbedingungen" nennt. Allererster Schritt, um wieder durchstarten zu können: Sie klärte ihr soziales Umfeld wie Nachbarn und Supermarktkassiererin über ihr - für Außenstehende nicht gleich erkennbares - Handicap auf. "Das war ganz wichtig, denn es kostet Kraft, sich ständig erklären zu müssen."

Als Nächstes sorgt sie für Barrierefreiheit in ihrer Wohnung - und in ihrem Freundeskreis. "Ich wollte mich nicht mehr mit Lulli-Lalli-Leuten umgeben, sondern mit Menschen, auf die ich mich 150-prozentig verlassen kann", macht sie klar. Ihr heutiger Freundeskreis akzeptiert sie mit Handicap und gibt Unterstützung, falls sie ihre Sehprobleme tatsächlich einmal an Grenzen stoßen lassen.

Seit Oktober 2006 macht sich Heidrun Fuchs in der Geschäftsstelle München des BFW Würzburg fit für den künftigen Berufsalltag. "Eine echte Herausforderung, denn ich hatte nullkommanull Computererfahrung", so ihre selbstkritische Einschätzung. Der Einsatz am PC könnte sich lohnen. Mit einer speziellen Vergrößerungssoftware und frischerworbenen Kenntnissen in Word, Excel und Outlook macht sie seit Februar 2007 ein Praktikum bei der Philip Morris GmbH.

In München beschäftigt Philip Morris rund 1.000 Mitarbeiter. Heidrun Fuchs unterstützt die Abteilung Field Support bei aktuellen Promotionaktionen und arbeitet eng mit Call-Centern und externen Agenturen zusammen. "Die Kollegen um meine Abteilungsleiterin Afra Mantke sind sensationell", fühlt sie sich dort von Anfang an optimal aufgehoben und gut ins Team integriert.

"Frau Fuchs ist eine sehr engagierte Mitarbeiterin, die sich pro-aktiv mit ihrem Handicap auseinandersetzt und ganz offen auf Kolleginnen und Kollegen zugeht. Dadurch nimmt sie Berührungsängste und zeigt uns, wie man mit oder vielleicht auch gerade trotz Handicap seinen Platz im Leben findet. Dabei zeichnet sie vor allem ihre pragmatische und fröhliche Arbeitsweise aus", zeigt sich Klaus-Dieter Schikora, Manager Sales Services bei der Philip Morris GmbH, beeindruckt von der Arbeitsleistung der seheingeschränkten Mitarbeiterin.

Er ist nicht der Einzige, der positiv urteilt. Manager Trade Marketing Christian Grube, Behindertenbeauftragter Josef Riedl, Werksärztin Dr. Irmgard Greis und Human Resources Managerin Claudia Tomicic hatten sich frühzeitig dafür eingesetzt, der Bewerberin ein Praktikum zu ermöglichen. "Dafür bin ich sehr dankbar", weiß die Praktikantin die Unvoreingenommenheit bei der Philip Morris GmbH sehr zu schätzen.

Zwei Jahre nach ihrem "Supergau" hat sich Heidrun Fuchs mit Unterstützung des BFW Würzburg und der Philip Morris GmbH wieder echte berufliche Perspektiven erarbeitet. Um ihre Mission weiter erfolgreich fortzuführen, wünscht sie abschließend noch eines: Gleichberechtigung statt Sonderbehandlung, wenn es um Menschen mit Handicap geht.

Alle Rechte vorbehalten © BlindNews

Informationsquelle: Berufsförderungswerk Würzburg

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