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Sachsen-Anhalt: Erste Speisekarte in Blindenschrift

31.05.2007 14:45:50

von Andreas Goerdes

WITTENBERG (BlindNews) Speisekarten in Blindenschrift sind zwar nicht üblich, aber außergewöhnlich sind sie auch nicht. Nicht? Doch - inSachsen-Anhalt gab es bislang keine einzige.

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In dem Bundesland leben rund 2,44 Millionen Menschen auf einer Fläche von etwa 20.000 Quadratkilometer. Bis zum heutigem Tag gab es keinen einzigen Gastronomiebetrieb, der es blinden oder hochgradig sehbehinderten Gästen das selbständige Lesen der Speisekarte ermöglicht hat. Das berichtet der Korrespondent Karl Friedemann, der für den Deutschen Depeschendienst (DDP) arbeitet.

Der Wittenberger Gastronom Dirk Teschner hat das geändert. In seinem Restaurant "Haus des Handwerks" können blinde und sehbehinderte ab heute die Speisekarte in Blindenschrift lesen.

"Ich habe einen Stammgast, der stark sehbehindert ist. Um ihm eine Freude zu machen, kam ich auf die Idee, unser Speise- und Getränkeangebot in Blindenschrift übersetzen zu lassen", erzählt der Gastwirt.

Andreas Leutloff, den der Gastwirt beim Wittenberger Blindenverband traf, übersetzte die Speisekarte in 12 stündiger Arbeit in Brailleschrift. Die anfängliche Begeisterung Leutloffs über das Projekt Speisekarte, ertränkte der Übersetzer mit einer Welle von bedenken. Im Gespräch mit dem DDP Korrespondenten äußerte Leutloff: "Wenn ein Blinder allein in ein Restaurant geht, muss er stets den Kellner bitten, ihm die Speisekarte vorzulesen. Das kann sehr unangenehm sein und setzt einen unter gewissen Zeitdruck. Eine Karte in Blindenschrift dagegen kann man in Ruhe lesen." Mahnend fügt er hinzu: "Für ein Restaurant, das häufig seine Speisekarte oder die Preise wechselt, lohnt sich so etwas nicht. Die Karte sollte mindestens ein Jahr gültig sein." und gibt weiter zu bedenken, dass sich blinde und sehbehinderte Menschen immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückziehen würden und viele die Blindenschrift nicht lesen könnten. Auch führe die finanzielle Situation dazu, dass immer mehr blinde und sehbehinderte Menschen sich keinen Besuch in einem Gasthaus erlauben könnten.

Der Gastwirt Dirk Teschner bleibt trotzdem optimistisch. "Für mich ist das eine Form der Gastfreundschaft. Auch wenn die Speisekarte nur von Wenigen genutzt wird, soll sie ein Zeichen setzen. Außerdem ist die Blindenschrift international, also kann bei mir künftig auch ein blinder Chinese problemlos bestellen", begeistert sich Teschner.

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