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Siebter Integrationstreff des BBSB im AURA Hotel Saulgrub der Sport stand im Mittelpunkt

22.01.2008 08:07:09

SAULGRUB (bbsb) vom 18. bis 20. Januar fand er statt der siebte Integrationstreff des BBSB im AURA Hotel Saulgrub. 10 Familien mit ihren behinderten und nichtbehinderten Kindern folgten unserer Einladung.

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Am Samstag stand der Sport, er kommt bei der integrierten Beschulung häufig leider zu kurz, im Mittelpunkt.

Manfred Dittmann, Physiotherapeut und Gesundheitspädagoge im Aura-Hotel, machte deutlich, wie wichtig eine regelmäßige sportliche Betätigung für alle Menschen ist, um Ausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Kraft und Koordination zu trainieren. Blinde Kinder hätten im übrigen das gleiche Bewegungsbedürfnis wie sehende.

Bis auf Ballspiele wie Basket-, Volliy- oder Handball könnten blinde Kinder alle Sportarten ausüben so Frau Kempkes, die seit 30 Jahren blinde und sehbehinderte Kinder im Sport unterrichtet. die besondere Herausforderung bestehe darin, die Bewegungsabläufe Schritt für Schritt anschaulich zu vermitteln. Dies erfordere eine blindenspezifische Didaktik, deren Fundament eine sehr gute Kenntnis des eigenen Körpers und eine differenzierte Körperwahrnehmung sei. Nach intensivern Trainingseinheiten sind blinde Schüler in der Lage, z. B. verschiedene Schwimmstile zu beherrschen, Skilanglauf oder Alpinski zu betreiben, zu reiten, zu rudern oder Tandem zu Fahren. Die Leichtathletik gehöre genauso zum Schulunterricht wie das Turnen und Ballsportarten, die auf blinde Menschen mit Klingelball und tastbaren Orientierungshilfen zugeschnitten sind. Tor- und Boalball bieten die Möglichkeit der Teilnahme an nationalen und internationalen Titelkämpfen.

Am Samstagnachmittag hatten die Väter und Mütter die Chance, selbst zu erfahren, was Sportunterricht mit Nichtsehenden bedeutet. Jeder bekam eine schwarze Augenbinde vors Gesicht und erlebte Gymnastik, Peziballübungen, Ballspiel und Kreistanz ohne Augenlicht.

Am Sonntagvormittag referierte Stefan Graf, Jurist im Bayerischen Kultusministerium, über die rechtlichen Rahmenbedingungen der schulischen Bildung für Kinder mit Behinderung. Er stellte in Aussicht, dass in der Volksschulordnung ab dem kommenden Schuljahr endlich klare Regelungen enthalten sind, welche Nachteilsausgleiche behinderte Schüler in Bayern erhalten, um möglichst gleiche Wettbewerbsbedingungen bei Proben- Schulaufgaben und Prüfungen zu haben. Hierzu gehören bei blinden Kindern eine Zeitverlängerung von 50 %, die Mitnahme von Hilfsmitteln wie Laptop mit Brailledisplay und Sprachansage und bei optisch ausgerichteten Aufgaben die Möglichkeit, angepasste Aaufgabenstellungen zu bekommen.

Reinhold Apelt und Beate Köttig (Sonderpädagogen der Mobilen Betreuungsdienste des SBZ Unterschleißheim bzw. des Nürnberger Bildungszentrums) dokumentierten mit ihren Berichten, dass der MSD eine unverzichtbare Hilfe bei der schulischen Integration für Lehrkräfte an Allgemeinen Schulen, für Eltern und nicht zuletzt für die sehgeschädigten Kinder sind. Sie vermitteln z. B. die Blindenschrift, beschaffen Anschaungsmaterial und tastbare bzw. vergrößerte Landkarten und beraten Lehrkräfte in didaktischen Fragen.

Erschreckend sind die völlig unzureichenden Lehrerstundenzahlen. Für blinde und sehbehinderte Schüler an der Regelschule haben die Mobilen Dienste im Schnitt gerade einmal 20 bis 30 Minuten Unterstützungszeit pro Schüler in der Woche, einschließlich notwendiger Fahrzeiten.

Deshalb fordert der BBSB alle Verantwortlichen auf, die Lehrerstundenzahl der MSDs deutlich aufzustocken.

Berichte aus der Praxis bestätigten die Vermutung, dass Eltern mit blinden Kindern in puncto Schulische Integration in jedem Einzelfall immer wieder Pionierarbeit leisten müssen und dass häufig erhebliche bürokratische Hürden zu überwinden sind. Unter den Teilnehmern war auch eine Lehrkraft der Grundschule Oberau, die seit diesem Schuljahr einen blinden Erstklässer zusammen mit 20 anderen Kindern unterrichtet. Damit sie dieser Aufgabe gewachsen ist, hat sie sich in Eigeninitiative fortgebildet und die Blindenbrailleschrift gelernt. Das ist aber offenkundig eher der Ausnahmefall.

Der BBSB hält es für dringend erforderlich, das endlich Qualitätsstandards für die schulische Integration sehgeschädigter Kinder fixiert werden.

Zu nennen sind neben der regelmäßigen sonderpädagogischen Unterstützung aller blinden und sehbehinderten Kinder vor allem - die Entlastung der Lehrkräfte, die wegen der Unterrichtung blinder Kinder ein wesentlich erhöhtes Fortbildungs- und Arbeitspensum haben, durch ein ermäßigtes Stundenkontingent, - die Bereitstellung von Integrationshelfern, um blinde Kinder in Mathematik, Naturwissenschaften und Sport individuell fördern zu können und - die Finanzierung der Hilfsmittel in der Schule und Zuhause - vor allem Laptops mit Brailledisplay.

Notwendig ist als Alternative zur Integration nach wie vor das Förderzentrum. Nicht jede Familie und nicht jedes Kind ist in der Lage, trotz der Sehschädigung an der Regelschule dem Lerndruck stand zu halten.

Das Fazit der Familien fiel am Ende der Veranstaltung durchweg positiv aus. Veranstaltungen dieser Art sind für die Familien, die im Alltag oft mit ihren Problem allein sind, sehr wichtig. Der gegenseitige Austausch und die gebündelte Information werden ganz besonders geschätzt.

Viel Lob und einen herzlichen Dank bekamen auch die Kinderbetreuerinnen, die die Kids mit einem abwechslungsreichen Programm mit Maskenbasteln, Faschingstanz, Schatzsuche, Schwimmen und Kegeln bei Laune hielten. Fröhlich gings am Samstagabend beim Faschingsball zu, bei dem der blindeEntertainer Franz Kammhuber aus Eggenfelden aufspielte und viele persönliche Musikwünsche erfüllte.

Der BBSB wird sich vehement für verbesserte Rahmenbedingungen bei der schulischen Integration und für die Weiterentwicklung der Förderzentren einsetzen. Mit seinem Know-How steht die Selbsthilfeorganisation den betroffenen Familien gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Alle Rechte vorbehalten © BlindNews

Informationsquelle: Bayrischer Blinden- und Sehbehindertenbund

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