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Einmal im Leben Malen können – Ein Porträt über Silja Korn

14.01.2009 10:00:00

von Julia Harbeck

BERLIN/BRANDENBURG (rbb) Julia Harbeck vom Inforadio Rundfunk Berlin-Brandenburg porträtiert die blinde Malerin Silja Korn. Jeder Mensch hat wohl einen Herzenswunsch - etwas, das einem kein Weihnachtsmann erfüllen kann, wofür man viel tun muss oder das sogar unerreichbar ist. Die 42jährige Silja Korn aus Berlin hatte auch so einen Herzenswunsch, den sie für unerfüllbar hielt: Sie wollte malen können, mit vielen Farben und großen Leinwänden.

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Klingt einfach, sagen Sie? Für jemanden, der sehen kann, vielleicht. Aber Silja Korn ist seit ihrem 12. Lebensjahr blind.

Silja Korn: "Das Interessante ist, man muss sich ja auch auf der Leinwand zurechtfinden, orientieren, dass man nicht neben der Leinwand malt." Silja Korn malt nach Gefühl. Sie ertastet die Leinwand vor sich auf dem Tisch mit den Fingerspitzen und verteilt dicke Farbkleckse mit Spachtel und Pinsel. "Ich mach's immer ein bisschen dicker, wenn es nachher trocknet, damit ich es auch ein bisschen fühlen kann."

Silja Korn erinnert sich an Farben. Daran, dass ihre Lieblingsfarbe schon als Kind Rot war. Aber sehen kann sie nichts, keine Farben, auch keine Umrisse oder Kontraste, seit 30 Jahren nicht mehr.

Mit 12 wird Silja von einem Auto angefahren, hat eine Gehirnerschütterung und innere Augenblutungen. Silja erblindet innerhalb weniger Jahre. Die schlimmste Vorstellung für das Mädchen: sie wird nie wieder malen können. "Das war für mich ein Ruhepol, wenn ich von der Schule kam, als Kind, habe ich mich erst hingesetzt und Frauen gemalt. Ich hab dann erst noch versucht, mit dicken Filzstiften, aber das ging dann auch nicht mehr."

30 Jahre lang rührt Silja Korn keinen Pinsel an. Sie richtet sich in einem Leben als Blinde ein, lernt die Punkt-Schrift und orientiert sich in der Stadt mit einem Stock. Sie heiratet, bekommt ein Kind, arbeitet als Erzieherin und wird mit den Jahren immer selbstbewusster. Vor einem Jahr liest sie etwas über blinde Kinder, die malen lernen. Wenn Kinder das können, sagte sie sich, kann ich das doch auch.

Übers Internet findet sie eine Künstlerin, die bereit ist, mit ihr zu arbeiten. "Ich hatte jahrelang das Gefühl, in mir stecken die Farben und die können nicht raus. Nun kann ich sie auf der Leinwand loswerden. Seitdem ich male, hab ich das Gefühl, mit der Außenwelt wieder in Kontakt zu stehen, wie so ein Fenster, das sich öffnet. Ich lade die Menschen ein, in meine Welt hinein zu kommen."

Und die Welt der blinden Silja Korn ist nicht etwa schwarz, sondern knallbunt. Am liebsten mischt sie Acryl- oder Ölfarben mit Sand und Sägespänen, klebt Holzlamellen oder Papierstücke auf ihre Bilder. So entstehen abstrakte Landschaften mit blauen Kratern, roten Schaumkronen, schwarzen Wolken, weißen Tälern.

Für Silja Korn erfüllt sich ein Traum, als sie zum ersten Mal ihre Bilder ausstellt. Was sie besonders freut: Auch Nichtblinde mögen ihre Bilder. Einige haben sich sogar die Augen verbinden lassen, um die abstrakten Landschaften wie ein Blinder zu ertasten.

Text und Radiobeitrag - Die blinde Malerin Silja Korn (©)Inforadio Rundfunk Berlin-Brandenburg

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